CapCut

CapCut-Nutzungsbedingungen: Behält die App wirklich Rechte an deinen Videos?

Bild KI-generiert

Es ist zwar schon Monate her, doch ich zweifle langsam an meinem Verstand. Seit Sommer kursieren Panikposts und besorgte Fragen: CapCut habe angeblich seine Nutzungsbedingungen geändert und sichere sich nun „heimlich“ alle Rechte am Rohmaterial der Nutzer.

Wer die Nutzungsbedingungen wirklich liest, erkennt: Ja, dort steht der bekannte Passus. Er lautet:

Indem Sie Benutzerinhalte über die Dienste übermitteln, nehmen Sie zur Kenntnis und erklären sich damit einverstanden, dass Sie uns erlauben, diese Inhalte auf unseren Server hochzuladen und gewähren uns und unseren verbundenen Unternehmen, Beauftragten, Dienstleistern, Partnern und anderen verbundenen Dritten eine bedingungslose, unwiderrufliche, nicht ausschließliche, unentgeltliche, vollständig übertragbare (einschließlich unterlizenzierbare), unbefristete, weltweite Lizenz zur Nutzung, Änderung, Anpassung, Vervielfältigung, Erstellung von Bearbeitungen, Anzeige, Veröffentlichung, Übertragung, Verteilung und/oder Speicherung Ihrer Benutzerinhalte für die Bereitstellung der Dienste für Sie.

Doch entscheidend ist der Kontext. Was sind „Benutzerinhalte“?

CapCut definiert sie so:

Nutzern der Dienste kann das Hochladen, Posten, Veröffentlichen, Übertragen, oder anderweitige Bereitstellen von Inhalten über die Dienste gestattet werden, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Musik […], Videovorlagen und jeglichen Texten, Fotos, Videos, Tonaufnahmen und den darin enthaltenen Musikwerken […], die auf die Dienste hochgeladen oder anderweitig durch die Dienste verfügbar gemacht werden („Benutzerinhalte”).

Also: Benutzerinhalte sind nur Inhalte, die Nutzer aktiv hochladen oder veröffentlichen – etwa Musik oder Vorlagen. Wer eine CapCut-Vorlage baut, muss CapCut logischerweise erlauben, sie zu nutzen.

Das steht klar im diskutierten Satz:
„Wenn Sie Benutzerinhalte über die Dienste hochladen oder zugänglich machen …“

Wer nur lokal in der App schneidet, lädt nichts hoch. CapCut erhält dafür keine Rechte.

Die verbreiteten Sorgen wirken unbegründet. Wir sehen eher eine Mischung aus:
a) Die Bedingungen sind mäßig übersetzt.
b) Blogs/Social-Media-Kanäle berichten darüber und mit Empörung lassen sich eben mehr klicks erzeugen.
c) Leute lesen die Nutzungsbedingungen nicht und plappern nach, was sie woanders gelesen
d) Juristen analysieren die Bedingungen, kennen aber die App und ihre Prinzipien nicht.

Kurz: Viel Lärm, wenig Substanz und ein Missverständnis, das sich hartnäckiger hält als jeder Videotrend.

Posted by Michael Netsch in Videoproduktion, 0 comments